Qualitätskrise

Mazda, Suzuki und Yamaha finden Fehler bei Abgastests

Drei weitere japanische Konzerne müssen Fehler bei Abgastest eingestehen. Sie dürften trotz allem glimpflicher davonkommen als Volkswagen.

Mit Suzuki, Yamaha und Mazda mussten gleich drei Unternehmen fehlerhafte Abgastests einräumen.

Quelle: AFP

TokioDass ein japanischer Konzernchef sich als Zeichen der Reue für eine Verfehlung verbeugt, sind Japaner gewohnt. Doch dass gleich drei Konzernchefs gemeinsam Buße tun, ist selbst für japanische Verhältnisse selten. An diesem Donnerstag war es soweit. In Untersuchungsberichten ans Verkehrsministerium mussten Mazda und Suzuki sowie der Zweiradhersteller Yamaha Regelverstöße bei Abgastests gestehen.

Untersuchungsergebnisse hatten belegt, dass Prüfer Ergebnisse von Abgastests manipuliert hatten. Testzeiten der vorgeschriebenen gesetzlichen Prüfzyklen waren nach unten oder oben abgewichen. Das Ergebnis waren falsche Abgaswerte – und ein handfester Skandal für die qualitätsverliebte japanische Fahrzeugindustrie.

Die amtliche Schelte folgte auf dem Fuß. „Es ist extrem bedauerlich, dass Kunden durch diese Situation über die Qualität der Fahrzeuge und die Qualitätskontrollen der Autohersteller beunruhigt werden“, warf Verkehrsminister Keiichi Ishii dem Trio stellvertretend für die gesamte Autoindustrie vor.

Die jüngsten Enthüllungen sind eine weitere Episode in einer langen Skandalserie um Regelverstöße bei Fahrzeugabnahmen und Abgastests. Zunächst hatte Mitsubishi Motors Mitte 2016 mit klar geschönten Verbrauchsberechnungen in der Autoentwicklung dem Verkehrsministerium den Anlass geliefert, den Firmen genauer auf die Finger zu schauen.

Beweise für vorsätzlichen Betrug wie bei Volkswagen wurden bei den japanischen Herstellern zwar nicht gefunden. Doch die Branche war in Aufruhr. Bei fünf der acht japanischen Autohersteller wurden mittlerweile Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Dieses Jahr mussten sich bereits Subaru und Nissan hochnotpeinlichen Fragen stellen. Nur Toyota, dessen Tochtergesellschaft Daihatsu und Honda stehen noch mit gänzlich weißer Weste da.

Die Anleger reagierten am Donnerstag teilweise hart, jeweils fein abgestuft nach dem Ausmaß des Pfusches. Suzukis Aktienpreis rutschte um sechs Prozent in den Keller. Dabei erklärte der Unterbesuchsbericht, dass die Inspektoren nicht den Spritverbrauch schönen wollten, sondern unsauber gearbeitet hätten. Die Messungen seien schließlich in beiden Richtungen von der Norm abgewichen. Aber Suzuki war wie Mitsubishi mit Tricksereien in der Entwicklung aufgefallen. Darüber soll die Qualitätskontrolle des Kleinwagenherstellers besonders lax gewesen sein.

Jeder zweite der 12.819 durchgeführten Tests, die in Suzuki-Werken seit 2012 durchgeführt worden waren, sei beanstandet worden, heißt es im konzerneigenen Abschlussbericht. Die Fehler konzentrierten sich allerdings in einem Werk, in dem die zuständigen Prüfer 71 Prozent der fehlerhaften Tests nicht wiederholten, sondern durchwinkten.

„Wir haben dabei versagt“

Einer der häufigsten Fehler war, dass die Autos beim Beschleunigungstests für den japanischen JC08-Testzyklus länger oder kürzer als vorgeschrieben auf dem Rollstand standen. „Es ist eine aussagekräftige Tatsache, dass so eine große Zahl unserer Produkte unvorschriftsmäßig bearbeitet wurden“, sagte Suzuki-Präsident Toshihiro Suzuki daher. „Wir haben dabei versagt, unser Personal tief und ausführlich auszubilden.“ Allerdings plane sein Unternehmen nicht, Autos zurückzurufen.

Ersttäter Mazda wurde von den Anlegern wegen Geringfügigkeit weitaus milder mit einem Kursabschlag von 1,3 Prozent bestraft. Mehrere tausend seit 2014 durchgeführte Test hatte das Unternehmen nachgeprüft. Und nur 72 von 1472 waren fehlerhaft. Tests nach dem neuen WLTP-Verfahren, das realistischere Werte liefern soll als bisherige Prüfverfahren, waren nicht betroffen.

Yamahas Aktienkurs sackte nach den ersten Berichten zwar auch um fünf Prozent ab, aber schloss letztlich nur 0,6 Prozent niedriger als am Vortag. Denn beim Motorradhersteller wurden nur bei 2,1 Prozent von 335 Beschleunigungstest Fehler in den Aufzeichnungen festgestellt.

Bei allen Unterschieden war den drei Untersuchungsberichten eines gemein: Ihnen wurde nicht nachgewiesen, dass die Zuständigen wie bei Nissan auch nachträglich die Dokumente zu den Tests gefälscht hatten. Nissan hatte im Juli erklärt, dass die Prüfer mit ihren Verstößen vermeiden wollten, die aufwändigen Tests wegen kleiner Fehler noch einmal durchzuführen.

Alle Hersteller wollen dennoch ihre Systeme verbessern, um menschlichen Fehltritten künftig vorzubeugen. Die laxe Einstellung der Inspektoren nährt aber besonders bei den Wiederholungstätern wie Suzuki, Nissan und Subaru Zweifel an Firmenführung und der Unternehmenskultur.

Auch der finanzielle Schaden für die beteiligten Unternehmen dürfte „wenn überhaupt nur sehr klein“ sein, erklärte Masataka Kunugimoto von Nomura Securities der Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Auch das unterscheidet die Pannenserie der japanischen Autoindustrie vom VW-Skandal.

Auf die Zulassungszahlen haben die fehlerhaften Tests bislang kaum Auswirkungen. Und auch die härtesten Gegenmaßnahmen scheinen überstanden. Vor einem Jahr hatte Nissan zeitweise den Verkauf neuer Modelle in Japan eingestellt und mehr als eine Million Fahrzeuge zu Nachprüfungen zurückgerufen. Außerdem kürzte die Führung sich die Bezüge.

Größere Sorgen müssen sich die japanischen Autohersteller dagegen wegen der Handelsattacken von US-Präsident Donald Trump machen. Japans globale Größen Toyota, Nissan und Honda haben zwar ihre Produktion deutlich lokalisiert. Aber wenn Trump wirklich wie angedroht Einfuhrzölle von bis zu 25 Prozent auf Autos und Bauteile schlagen sollte, würden die Gewinnmargen japanischer Autobauer „deutlich fallen“, warnte der Kreditbewerter Moody’s am Donnerstag in einem Bericht.