Dieselskandal

Gekündigte Führungskräfte wehren sich gerichtlich gegen VW

Volkswagen hatte mehreren Ex-Führungskräften gekündigt, da sie für den Dieselskandal verantwortlich sein sollen. Fünf Geschasste gehen dagegen nun rechtlich vor.

Nach Aussagen verschiedener Beteiligter gegenüber den Ermittlern sei der frühere VW-Entwicklungsvorstand mitverantwortlich, dass der Betrug um manipulierte Abgaswerte noch ausgeweitet wurde.

Quelle: dpa

DüsseldorfIn den vergangenen Tagen haben weitere ehemalige Führungskräfte von VW Klage gegen ihre Kündigungen eingereicht. Nach Informationen des Handelsblatts wehren sich nun auch Heinz-Jakob Neußer, früherer Entwicklungsvorstand, die Ex-Motorenchefs Rudolf Krebs und Falko Rudolph sowie ein weiterer Ingenieur gegen ihre fristlosen Kündigungen.

Sie folgen einer Ex-Kollegin, die bereits kurz nach der Kündigung vor Gericht gezogen war. In zwei Fällen haben die Arbeitsgerichte Braunschweig und Kassel bereits Gütetermine angesetzt, die am kommenden Montag beziehungsweise in zwei Wochen stattfinden. Von einem sechsten Betroffenen – ihn führt die US-Justiz als Kronzeuge – ist nicht bekannt, ob er gegen den Rauswurf vorgeht.

Den sechs ehemaligen Führungskräften weist Volkswagen eine Hauptverantwortung für den Dieselskandal zu. In der zweiten Augusthälfte kündigte der Autobauer ihnen fristlos, nachdem die Staatsanwaltschaft Braunschweig Einsicht in die Ermittlungsakten gewährt hatte. Die Behörde ermittelt seit Ende des Jahres 2015 wegen Betrugs und strafbarer Werbung gegen inzwischen 39 Beschuldigte.

VW hatte den Ex-Managern vor der Kündigung einen Fragenkatalog geschickt, damit sie sich zu den Vorwürfen äußern konnten. Allerdings stand die Kündigung da offenbar schon fest. „Wir haben aufgrund neuer Erkenntnisse arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen. Darüber hinaus kommentieren wir die Sache nicht“, so ein VW-Sprecher.

Nach Aussagen verschiedener Beteiligter gegenüber den Ermittlern, gehört unter anderen vor allem Neußer zum innersten Zirkel der Verantwortlichen für den Dieselskandal.

Neußer sei mitverantwortlich, dass der Betrug noch ausgeweitet wurde. Auch das „Statement of Facts“ der US-Justiz, das VW im Rahmen einer Schuldanerkenntnis akzeptierte, weist ihm eine Schlüsselrolle zu. Auf Nachfrage wollten die Anwälte von Neußer keine Stellung beziehen.

Bei anderen beschuldigten Top-Managern ist VW dagegen nachsichtiger. In mindestens zwei Fällen hat VW bislang keine Kündigungen ausgesprochen, obwohl sie nach Aktenlage früh über die Manipulationen Bescheid wussten. In einem Fall handelt es sich um den einst für die Antriebstechnologie verantwortlichen Ingenieur Friedrich Eichler, der heute Leiter der Fahrwerkentwicklung ist. Sein Anwalt wollte sich nicht äußern.

Derweil wurde der arbeitsrechtliche Streit mit dem in den USA zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe von 400.000 Dollar verurteilten Oliver Schmidt wieder vertagt. Schmidt argumentiert, sich an die Weisungen Volkswagens gehalten zu haben.

Den ursprünglich für den kommenden Montag angesetztem Gütetermin hat das Gericht abgesagt. Der Grund: Es besteht keine Aussicht auf eine gütliche Einigung. Nun wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr in einem Kammertermin öffentlich gestritten.

Unmittelbar vor diesem soll zwar noch ein Gütertermin stattfinden, doch gilt dieser lediglich als Formalie. Es geht in dem Verfahren neben dem Kündigungsschutz auch um Bonuszahlungen für das Jahr 2017 in Höhe von 114.700 Euro brutto sowie Schadensersatz in Höhe von gut 333.000 Euro wegen der in den USA gezahlten Geldstrafe.