Luftverkehr

Eurowings muss um seine US-Strecken fürchten

Das US-Transportministerium DOT will eine neue Regelung für ausländische Airlines, die in die USA fliegen. Betroffen wären alle US-Flüge der Lufthansa-Tochter.

Warum Eurowings um seine US-Strecken fürchten muss.

Quelle: dpa

Frankfurt Die Lufthansa-Tochter Eurowings droht zwischen die Fronten der US- und EU-Diplomatie zu geraten – mit bitteren Folgen. Lösen beide Seiten einen seit nunmehr sechs Jahre dauernden Konflikt nicht rasch, könnte es passieren, dass der Billig-Anbieter seine US-Verbindungen ab dem 30. März nicht mehr in gewohnter Weise fliegen kann.

Der Fall ist wie so oft in der Luftfahrt komplex. Es geht um die Frage, unter welchen Bedingungen ausländische Fluggesellschaften in den USA und in der EU Verbindungen anbieten können, die sie nicht selbst fliegen, sondern andere Airlines damit beauftragen. Im Fachjargon nennt sich das Verfahren Wet-Lease, bei dem sowohl die Crews als auch das Flugzeug von extern angemietet werden.

Die USA sehen sich in der bisherigen Regelung benachteiligt. Die besagt, dass in- wie auch ausländische Fluggesellschaften in den USA das Wet-Lease-Verfahren unbegrenzt nutzen können. Umgekehrt erlaubt die EU das nur für sieben Monate plus einer einmaligen Verlängerung um weitere sieben Monate, in Summe also 14 Monate.

Seit bereits sechs Jahren verhandeln beide Seiten den Fall. Im Februar vergangenen Jahres wurde tatsächlich eine Vereinbarung getroffen. Das Problem: Diese muss von allen EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet beziehungsweise umgesetzt werden. Das dauert dem US-amerikanischen Transportministerium DOT nun offensichtlich zu lange.

In einem Schreiben erklärt das Ministerium, dass man – sollten weiterhin keine Fortschritte erkennbar sein – analog zur EU-Regelung auch in den USA eine Begrenzung von Wet-Lease-Einsätzen auf 14 Monate einführen werde. Die Regelung soll ab dem 30. März beginnen.

Betroffen wären davon mehrere Airlines, etwa die irische Aer Lingus, die sich der Jets und Crews von der französischen ASL Airlines bedient. Besonders hart würde es aber die Lufthansa-Gruppe und den Billigableger Eurowings treffen.

Deren US-Strecken werden von der türkischen Fluggesellschaft Sunexpress und Brussels Airlines geflogen – und das seit mehr als 14 Monaten. „Die Amerikaner haben auch aus unserer Sicht ein berechtigtes Interesse, dass die vereinbarte Weiterentwicklung des EU-US-Open-Sky-Abkommens in puncto Wet-Leases durch die EU in Kraft gesetzt wird“, erklärte ein Sprecher der Lufthansa auf Anfrage: „Wir sind zuversichtlich, dass dies in den kommenden Wochen gelingt und sich damit der jüngste Streit um Wet-Lease-Flüge zwischen beiden Kontinenten auflöst.“

Auf den ersten Blick mag es irritieren, dass Eurowings unter die Regelung fällt. Denn beide Partner, die in die USA fliegen, gehören zum Reich der „Hansa“, also zum Mutterkonzern. Sunexpress ist ein Jointventure von Lufthansa und Turkish Airlines, Brussels wiederum gehört Lufthansa komplett. Doch in der teilweise komplizierten Luftfahrtwelt hängen Verkehrsrechte an einem sogenannten AOC.

Diese vom Staat ausgestellte Erlaubnis bezieht sich immer nur auf eine spezielle Gesellschaft, nicht aber auf einen Konzern. Die Folge: Auch wenn innerhalb einer Airline-Gruppe Jets und Crews vermietet werden, handelt es sich rechtlich um Wet-Leasing. Deshalb wäre von einem harten Vorgehen des DOT zum Beispiel auch die Lufthansa-Tochter Austrian betroffen, die den Ableger Tyrolean Airways nutzt, aber auch Lufthansa selbst, die einige Strecken von Lufthansa CityLine fliegen lässt.

In der Branche beobachtet man nun mit Spannung, wie die EU auf den erhöhten Druck reagieren wird. Denn viele Möglichkeiten haben die Airlines im schlimmsten aller Fälle nicht. Es bliebe nur, die gefährdeten Strecken mit eigenem Flieger und eigenen Mannschaften zu bedienen.

Doch Ende März greift der neue Sommerflugplan, hier wird alles an „Material“ gebraucht. Und Flugzeuge sowie Crews mal eben schnell auf ein anderes AOC zu hieven, ist nicht so einfach. Das ist ein längeres Verfahren.

Mehr: Die Lufthansa prüft derzeit, ob die zum Verkauf gestellten Airlines von Thomas Cook etwas für sie wäre. Lesen Sie hier die Hintergründe dazu und wie das Geschäft zu Eurowings passen würde.