Football Leaks

Die geheimen Gehälter in der Bundesliga

Selbst durchschnittliche Fußballer verdienen im deutschen Profifußball mehr als Spitzenmanager und Politiker. Tendenz: stark steigend. Das Problem dabei: Es fehlt die Transparenz über Gehälter und deren Entwicklung.

Vier Millionäre im Fußball: Nationalspieler Mesut Özil vom FC Arsenal sowie die FC-Bayern-Spieler Douglas Costa, Xabi Alonso and Arturo Vidal (von links)

Quelle: dpa

DüsseldorfDer deutsche Profifußball neigt stark zur Geheimniskrämerei bei den Gehältern seiner Kicker. Er bietet damit ein Einfallstor für dunkle Machenschaften, Geldwäsche und Steuerhinterziehung – alles Probleme, durch die das internationale Fußballgeschäft zunehmend geprägt wird, wie die Veröffentlichungen des „Spiegel“ zusammen mit der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ zeigen.

Die Summen, die mittlerweile für Fußballer und deren Gehälter gezahlt werden, übersteigen die Vorstellungskraft der meisten Fußballfans bei weitem. In England werden daher die Einkommen der Spieler am liebsten auf eine Woche umgerechnet. Selbst dabei kommen Zahlen heraus, die so hoch sind, dass die Enthüller sie „surreal“ nennen. Einige Beispiele.

Der Mittelfeldspieler Paul Pogba verdient nach einer Aufstellung der „Daily Mail“ knapp 350.000 Euro pro Woche. Unter den Top 10 der Premier League rangiert beim FC Arsenal auch der deutsche Nationalspieler Mesut Özil mit umgerechnet 226.000 Euro pro Woche. Nur wenig schlechter verdienen soll der „Sport-Bild“ zufolge Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger bei Manchester United.

Diese Spieler kommen damit auf ein Monatsgehalt von einer Million Euro oder mehr. Davon können die allermeisten Bundesliga-Spieler nur träumen. Allerhöchstens Kicker des FC Bayern kommen an dieses Niveau heran, etwa der Chilene Arturo Vidal. Doch wie sich aus Dokumenten von „Football Leaks“ ergibt, sind die Kicker-Gehälter dennoch fantastisch, selbst für Ersatzspieler.

So verdiente der ehemalige Bayern-Ersatztorwart Pepe Reina, ein reiner Bankdrücker, im Monat 375.000 Euro, macht 4,5 Millionen Euro fix im Jahr. Auch Borussia Dortmund zahlt gut, wie 300.000 Euro im Monat oder 3,6 Millionen im Jahr für den Japaner Shinji Kagawa belegen. Der Spieler wird momentan gar nicht regelmäßig eingesetzt und bringt nur mäßige Leistungen.

Dass Bayer 04 Leverkusen 350.000 Euro im Monat für seinen mexikanischen Stürmer Chicharito hinblättert, mag weniger überraschen. Schließlich schießt der Spieler viele Tore. Zudem ist der Verein seit Jahren in der Champions League. Verblüffen dürften Fußballkenner dagegen eher die Zahlen, die nun über den finanziell angeschlagenen Hamburger Sportverein bekannt wurden.

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Der schwedische Mittelfeldspieler Albin Ekdal (Marktwert 4,5 Millionen Euro) verdient beim HSV im Monat 210.000 Euro. Viel Geld für einen eher durchschnittlichen Kicker, der in dieser Saison bisher nur fünf Mal in der Startelf stand. Noch weicher gefallen ist Lewis Holtby beim HSV, als er 2014 vom englischen Klub Tottenham Hotspur kam.

Knapp 300.000 Euro im Monat sind ein stolzes Grundgehalt für einen, der in dieser Saison elf Mal von Anfang spielte und dabei vom „Kicker“ die Durchschnittsnote 4,27 erhielt. Immerhin ausreichend, Kollege Ekdal hat für insgesamt neun von 15 Bundesliga-Spielen einen Notenschnitt von 4,92 erhalten. Das ist mangelhaft.

Ob es einen Zusammenhang zwischen hohem Fixum und schlechten Leistungen in der Bundesliga gibt? Der Philosoph und Publizist Wolfram Eilenberger glaubt das: „Warum sollen sich Spieler, die ein hohes Grundgehalt bekommen, noch anstrengen?“ Auch wenn er die hohen Einkommen im Profifußball gar nicht in Frage stellen möchte.

Das eigentliche Problem sind auch nicht die Millionensummen, die von Fußballern kassiert werden, sondern die Geheimniskrämerei drum herum. Die Fußballfans wissen, dass sie Millionären beim Kicken zuschauen. Doch was jeder von den Stars genau verdient, sollen sie lieber nicht erfahren. Angeblich, um eine Neiddiskussion zu vermeiden.

Durch diese Geheimhaltung bieten die Fußballklubs windigen Beratern und Geschäftemachern die Möglichkeit, zweifelhafte Geschäfte anzubahnen und fantastische Renditen einzusammeln. Außerdem liegt der Verdacht nahe, dass die Geheimhaltung es erleichtert, viel Geld am Fiskus vorbei in Steuerparadiese zu lenken. Dafür liefern die Dokumente von „Football Leaks“ Anhaltspunkte.

Vereinsbosse werden zudem gezielt in Sexfallen gelockt, wie der „Spiegel“ am Beispiel des Bosses von Real Madrid aufgeschrieben hat. Aus gutem Grund: Wenn man einen Funktionär mit einer außerehelichen Affäre erpressen kann, wird er einen Berater bei dem nächsten Deal vermutlich wesentlich wohlwollender behandeln und auch höhere Ablösesummen und Gehälter befürworten.