Konjunktur

IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland drastisch – Zuversicht schwindet weltweit

Das globale Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, die Exporte gehen zurück. Der IWF senkt seine Konjunkturprognose – das betrifft besonders Deutschland.

Für Deutschland senkt der IWF seine Wachstumserwartungen um einen halben Prozentpunkt.

Quelle: dpa

BerlinGanz so kräftig, wie es in Deutschland viele Ökonomen befürchteten, soll die Abkühlung der Weltwirtschaft nun doch nicht ausfallen. Vergangene Woche erst hatte Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine klare Warnung für das weltweite Wachstum ausgesprochen: Die Konjunktur sei „an einem heiklen Punkt angelangt“, überall sei „das konjunkturelle Wetter unbeständig“, der Welthandel und mit ihm die Exporte würden schwächeln.

Vor diesem Hintergrund fällt die Korrektur der IWF-Wachstumsprognose an diesem Dienstag geradezu moderat aus. Für alle Industrieländer liegt die erwartete Wachstumsrate mit nun 1,8 Prozent gerade einmal um 0,2 Prozentpunkte unter der Januarprognose.

Für Deutschland senkte der Fonds sie stärker – um einen satten halben Prozentpunkt. Doch mit 0,8 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts 2019 erwartet der IWF exakt noch so viel Wachstum wie die Wirtschaftsweisen und die führenden deutschen Forschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose.

Die Erholung im Jahr 2020 soll in Deutschland allerdings mit einer Wachstumsrate von 1,4 Prozent dann schwächer ausfallen, als es die Ökonomen-Mehrheit hierzulande erwartet. Insgesamt aber ist IWF-Chefökonomin Gita Gopinath für Deutschland leicht optimistischer als ihre Kollegin Laurence Boone von der Industrieländer-Organisation OECD: Sie hatte im März ihre Deutschland-Prognose für dieses Jahr auf 0,7 Prozent gesenkt. Für 2020 erwartet sie ein Wachstum von 1,1 Prozent

Insgesamt sehen die Länderlisten mit den Korrekturen der Wachstumserwartungen sehr ähnlich aus wie bei der OECD: Nur für China und Nigeria korrigierte der IWF seine Erwartung leichte 0,1 Prozentpunkte nach oben. In Russland bleibt die Erwartung mit 1,8 Prozent unverändert. Allen anderen analysierten Ländern traut der IWF nun weniger Wachstum zu als in seinem Weltwirtschaftsausblick von Januar. Und damals hatte gegenüber der Oktoberprognose ebenfalls die Korrektur nach unten überwogen.

Es schwächeln vor allem die Euro-Zone, Großbritannien und Japan. Auch in China wird das Wachstum laut IWF mit 6,3 Prozent in diesem Jahr um 0,3 Prozentpunkte geringer ausfallen als 2018. Eine wichtige Ursache ist der flaue Welthandel.

Trump wirkt: Die Handelskonflikte, die der US-Präsident mit China und Europa angezettelt hat, dämpfen den weltweiten Warenaustausch: Um 3,3 Prozent soll er in diesem Jahr nur zulegen – gegenüber 3,6 Prozent im letzten Jahr.

Zudem schwindet offenbar die Zuversicht in den Unternehmen – weltweit. „Hohe politische Unsicherheit“ verbunden mit der „Schwierigkeit, Einigung über umstrittene Themen zu finden“, drücke auf die Stimmung. In den USA, mit noch 2,3 Prozent Wachstum in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr, zeige sich das in sinkenden Investitionen.

In den USA laste der Handelskonflikt mit China auf der Wirtschaft. In der EU und Großbritannien ist es der Brexit, in Deutschland die unklare Lage der Autoindustrie durch Dieselkrise und Elektromobilität, in Frankreich die Gelbwestenproteste, in Italien noch immer die hohe Staatsschuldenlast.

All dies führe zu Zurückhaltung in zu vielen Unternehmen. Die Exporte leiden unter der Abkühlung weltweit: Keine Region, kein Land übernimmt aktuell die Rolle der Konjunktur-Lokomotive. Deshalb fürchtet der IWF, dass auch seine nächste Prognosekorrektur eher wieder nach unten zeigen werde als nach oben.

Denn die großen Gefahren wie Handelskonflikte, der Brexit, in manchen Ländern hohe Schulden scheinen derzeit nicht gelöst werden. Ein No-Deal-Brexit würde die Briten bis 2021 gegenüber einem Deal-Brexit 3,5 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten, mahnt der Fonds. Die EU-Staaten hätten im selben Zeitraum durchschnittlich einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um einen halben Prozentpunkt zu erwarten.

Allerdings: Sollte der Brexit strukturiert verlaufen, sollten sich die USA mit China und Europa einigen können und gleichzeitig Öl- und andere Rohstoffpreise etwas sinken, dann kann sich die Weltwirtschaft auch schnell wieder erholen. Vor einem warnt der IWF einmal mehr: einer zu harten Sparpolitik. Gerade im Abschwung komme es darauf an, eine adäquate soziale Absicherung zu gewährleisten, mahnt der Fonds.