Kommentar

Volkswagen zieht die Konsequenzen aus dem Dieselskandal zu spät

Der Konzern will sich erst jetzt von belasteten Managern und Ingenieuren trennen. Ein echter Kulturwandel sähe anders aus.

Schon Anfang 2017 unterschrieb VW ein Schuldeingeständnis. Von am Betrug beteiligten Mitarbeitern trennte sich der Automobilhersteller jedoch nicht.

Quelle: dpa

Volkswagen hat den großen Kulturwandel versprochen. Nach der Dieselaffäre soll alles besser werden. Und noch wichtiger: Der Wolfsburger Autokonzern werde alles dafür tun, dass sich die Manipulationen von elf Millionen Dieselfahrzeugen nicht wiederholen werden. So weit, so gut. Doch zu einem echten Kulturwandel gehören auch einschneidende personelle Veränderungen.

Dass nämlich diejenigen gehen, die für die Vergehen der Vergangenheit und für eine verfehlte Unternehmenskultur verantwortlich sind. Die Dieselmanipulationen sind in den Motorenabteilungen des Konzerns erdacht und entwickelt worden. Und schon mindestens seit eineinhalb Jahren ist der Kern der Verdächtigen bekannt, auch dem Volkswagen-Konzern. Denn US-Staatsanwälte waren in diesem Fall deutlich schneller unterwegs als ihre deutschen Kollegen.

Dem sogenannten „Statement of Facts“ – dem Schuldeingeständnis des VW-Konzerns gegenüber den amerikanischen Behörden – ist der Kreis der Verdächtigen zu entnehmen. Anfang 2017 hatte Volkswagen dieses Schuldeingeständnis unterschrieben. Trotzdem ist in Deutschland nichts passiert, die Verdächtigen sind auf der Gehaltsliste des VW-Konzerns geblieben.

Im vergangenen Jahr hatte sich Volkswagen mit dem früheren Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer sogar noch auf die Zahlung eines Bonus verständigt. Mit so viel Großzügigkeit soll nun endgültig Schluss sein. Neußer und weitere Volkswagen-Ingenieure müssen jetzt mit der Kündigung durch den Wolfsburger Konzern rechnen. Ein richtiger Schritt, der allerdings etwas zu spät kommt.

Schon im vergangenen Frühjahr hatte US-Monitor Larry Thompson gegenüber den VW-Verantwortlichen seine Verwunderung darüber ausgedrückt, dass führende Köpfe der Dieselmanipulationen noch immer auf den Gehaltslisten von Volkswagen standen. Bei VW werden die bevorstehenden Kündigungen damit begründet, dass der Konzern jetzt Einsicht in die Ermittlungsakten der Braunschweiger Staatsanwaltschaft bekommen habe.

Mit viel Material zur Vorgehensweise der verdächtigen Ingenieure, die vom Konzern als „involvierte Personen“ bezeichnet werden. Die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwälte aus den Vereinigten Staaten hätten allerdings wahrscheinlich problemlos ausgereicht, um sich schon vor einem Jahr von den verdächtigen Entwicklern zu trennen.

Dass Volkswagen immer noch so lange braucht, um die richtigen personellen Konsequenzen zu ziehen, spricht nicht für das Unternehmen. Ein echter Kulturwandel bei Deutschlands größtem Autohersteller sähe anders aus.