Kommentar

Europa versagt bei Abgaskontrollen – zulasten deutscher Autobauer

Die europäischen Verkehrsbehörden agieren nicht einheitlich. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen bei Autos. Einheitliche Vorgaben müssen her.

Die Vorgaben sollten nicht nur für Autos der Unternehmen Volkswagen und Daimler gelten.

Quelle: dpa

Nun hat es also auch Nissan erwischt. Japans zweitgrößter Automobilhersteller musste zugeben, dass die Abgasgrenzwerte bei einigen Modellen nicht ganz so ernst genommen wurden. Das Beispiel zeigt: Schummeleien und Tricks sind kein rein deutsches Problem.

Volkswagen- und Audi-Ingenieure sind nur dadurch besonders aufgefallen, dass sie größere kriminelle Energie bei der Umgehung gesetzlicher Vorschriften angewendet haben. Die Grundprinzipien sind in der gesamten Branche bekannt.

Fiat war ebenfalls durch eine weit gefasste Auslegung der Gesetze aufgefallen, ebenso wie beispielsweise koreanische Automobilhersteller. Das System krankt an einer unzureichenden Überwachung. Autos werden von nationalen Behörden für den Verkehr zugelassen, diese Zulassung gilt dann länderübergreifend.

Deshalb ist wenig davon zu hören, dass etwa das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt gegen ausländische Anbieter vorgehen würde. Hierzulande geht es vordergründig um Volkswagen, Audi und Daimler.

Ein französisches Auto hat die Zulassung in Frankreich bekommen, den deutschen Kontrolleuren sind damit die Hände gebunden. Bislang haben italienische Behörden die eigene Industrie weitgehend verschont. Das Gleiche gilt für Frankreich.

Dort gibt es zwar Untersuchungen gegen Renault oder den Opel-Mutterkonzern PSA. Doch entscheidende Aktionen der Behörden hat es dort ebenso wenig gegeben. Die deutsche Aufsicht hat länger gebraucht, aber inzwischen versteht das Kraftfahrt-Bundesamt keinen Spaß mehr bei Abgasmanipulationen.

Und nicht nur die Straßenbehörden: Im Juni musste VW eine Milliarde Euro Strafgeld an das Land Niedersachsen überweisen. Es gibt eine Schieflage bei der Kontrolle. Nur Deutschland greift härter durch. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen unter den Autoherstellern.

Die Konsequenz kann nur sein, dass einheitliche Vorgaben für ganz Europa eingeführt werden – und nicht mehr nur strenge Regeln für VW und Daimler.