Kommentar

Energiekonzern RWE sollte im Hambacher Forst nicht auf sein Recht pochen

Im Streit um den Hambacher Forst hat der Energiekonzern das Recht auf seiner Seite. Doch eine Rodung des Waldgebiets für den Tagebau kann RWE gewaltig schaden.

Teile des Waldgebietes sollen dem Braunkohleabbau weichen.

Quelle: dpa

RWE hat recht. Im Streit über die geplante Rodung des Hambacher Forsts für den weiteren Braunkohleabbau hat der Energiekonzern sämtliche Genehmigungen vorliegen – und auch seit Langem das Plazet der Aufsichtsbehörden. Der Konzern darf aber nicht stur auf seinem Recht beharren.

Der Imageschaden ist schon jetzt groß – und er wird gewaltig, wenn der Konzern unter Polizeieinsatz Umweltaktivisten aus ihren Baumhäusern vertreiben und uralte Bäume fällen lassen wird. Schließlich geht es um den öffentlich geächteten Energieträger Braunkohle, über dessen Zukunft gerade jetzt in Berlin verhandelt wird.

RWE wird dieser Schritt nicht leicht fallen. Der Verzicht auf die Rodung ist keineswegs trivial. Die Förderung von Braunkohle ist ein komplexes System. Die Bagger im Tagebau Hambach stehen nach Darstellung des Konzerns kurz vor der Abbruchkante, sollten sich die Rodungsarbeiten verzögern, würde die Förderung zum Erliegen kommen.

Und die angeschlossenen Braunkohlekraftwerke müssten den Betrieb einstellen. Das wäre für RWE teuer und muss auch der Bevölkerung in NRW Sorgen bereiten. Schließlich decken die Anlagen 15 Prozent ihres Stromverbrauchs. Aber, auch wenn es eine Kraftanstrengung wird, die Lichter werden nicht ausgehen. Noch hat die Stromwirtschaft genügend Überkapazitäten.

Während RWE mit Polizeieinsatz sein Recht durchzusetzen versucht, sucht die Politik nach einer einvernehmlichen Lösung für den Ausstieg aus der Braunkohle. Beides sind langfristige Interessen. Weil aber der Hambacher Forst für Kohlegegner eine solche Symbolkraft hat, kann RWE durch einen Verzicht auf die Rodung mehr gewinnen als verlieren.

Im Gegenzug müssten die Umweltverbände an einer vernünftigen politischen Lösung mitwirken, die RWE und den Beschäftigten des Unternehmens gerecht wird. Eines geht auf keinen Fall: gewaltsame Proteste. Hier haben die Umweltschützer viel zu verlieren.