Kommentar

Die Personalie Stadler demonstriert die Doppelzüngigkeit von VW

Der Audi-Chef kehrt wohl nicht auf seinen Spitzenposten zurück. Es ist keine gute Idee, diese Entscheidung während seiner U-Haft zu treffen.

Der beurlaubte Audi-Chef sitzt wegen Verdunklungsgefahr weiterhin in Haft.

Quelle: AFP

Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr des beurlaubten Stadler an die Spitze der VW-Tochter vorstellen könne, sagte Diess: „Es kommt auf die Fakten an. Sollten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, ist die Entscheidung klar.“ Im Umkehrschluss lässt sich daraus folgern: Aus Diess’ Sicht stand der Rückkehr Stadlers an die Audi-Spitze nichts im Weg, vorausgesetzt, der Verdacht sollte sich als falsch erweisen.

Heute ist klar: Das Bekenntnis von Diess zu Stadler war nichts wert. Zwar sitzt Stadler wegen Verdunkelungsgefahr weiterhin in Untersuchungshaft. Ob der Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft in einer Anklage und letztlich in einer Verurteilung mündet, ist aber weiter ungeklärt.

Dass wusste Diess, als er Stadler Rückendeckung gab. Trotzdem schafft der VW-Boss nun Fakten, die eine Rückkehr Stadlers auf den Chefsessel bei Audi unmöglich machen. Diess wollte nicht auf Stadler warten. Ihm gelang es – offenbar nach langem Werben – von seinem alten Arbeitgeber BMW dessen Einkaufsvorstand Markus Duesmann abzuwerben. Er soll VW-Konzernvorstand werden und womöglich auf Stadler folgen – auch wenn unklar ist, wann er nach Ingolstadt wechseln kann.

Die Personalie Stadler zeigt wieder einmal, dass der Konzern bei der Aufarbeitung des Dieselskandals versagt. Es gab und gibt viele Gründe, den langjährigen Vorstandschef auszuwechseln. Unter seiner Ägide nahmen die Manipulationen ihren Lauf. Vieles deutet darauf hin, dass er davon wusste, aber nicht eingriff. Damit verletzte Stadler wohl seine Pflichten als CEO. Und auch bei der Aufarbeitung des Skandals unterliefen ihm gravierende Fehler. Dennoch hielt VW an ihm fest.

Dass VW seinen Manager Stadler ausgerechnet jetzt fallen lässt, offenbart die Doppelzüngigkeit. Kritik an die Adresse der Führungsetage kommt auch aus den eigenen Reihen. Hiltrud Werner, im VW-Vorstand zuständig für Recht und Integrität, warnte in einem Interview jüngst vor vorschnellen Entscheidungen in der Causa Stadler: „Wenn jemand bereits so gedemütigt worden ist, dann muss der Aufsichtsrat ihn nicht weiter demütigen“, sagte Werner.

Die Audi-Aufsichtsrätin erinnerte an den Fall des ehemaligen Siemens-Finanzvorstands Heinz-Joachim Neubürger. Er stand in dem Verdacht, am Korruptionsskandal beteiligt gewesen zu sein, beteuerte aber stets seine Unschuld. Schließlich nahm sich Neubürger das Leben.