Kommentar

Die digitale Revolution wird für eine harte Auslese in der Bankenbranche sorgen

Viele Banken werden die Attacke der Internetkonzerne überleben. Doch längst nicht alle können es schaffen, und vor allem nicht in ihrer heutigen Form.

Banken müssen sich vor den großen Tech-Konzernen wie Apple oder Google in Acht nehmen.

Quelle: dpa

Am Ende „nimmt der Gewinner alles, der Verlierer steht klein daneben“. Auf Deutsch klingt die Übersetzung des Abba-Songs „The Winner Takes It All“ ein wenig holprig, aber im englischen Original ist das Lied über die Leiden der Liebe gut gealtert.

Das darwinistische Abba-Motto hat sich sogar zur Metapher für die unerbittlichen Gesetze der Internet- und Plattformökonomie gemausert. Größenvorteile sind bei diesen Geschäften so entscheidend, dass am Ende nur ein paar Anbieter übrig bleiben, so wie Facebook, Amazon und Google oder ihre chinesischen Pendants Alibaba, Baidu und Tencent.

Diese Gesetze kennen natürlich auch die Banken. Und deshalb fürchten sie sich völlig zu Recht vor der Attacke der großen Internetkonzerne auf ihr Geschäft. Dass dieser Angriff kommen wird, ist keine Frage mehr: Vor ein paar Monaten ging der Handy-Bezahldienst von Google in Deutschland an den Start, Apple Pay dürfte schon sehr bald folgen, Paypal vergibt inzwischen auch hierzulande Kredite an Onlinehändler, und Amazon verleiht in den USA Geld nicht nur an die Händler, sondern auch viele Milliarden an seine Kunden.

Droht den Banken jetzt der große Kehraus? Ja und nein. Kein Zweifel, die Digitalisierung wird die Branche komplett umkrempeln. Das werden nicht alle Geldhäuser überleben, viele werden sich eine neue Rolle suchen müssen, und einigen wird diese Rolle überhaupt nicht gefallen.

Aber den Geldhäusern bleibt ein Trost: Ihr Geschäft wird gleich von mehreren Schutzmechanismen abgeschirmt, von denen andere Branchen wie die Medien oder der Einzelhandel nur träumen konnten, als die Netzkonzerne ihren Angriff auf diese Sektoren starteten.

Zum einen ist der Bankensektor extrem reguliert. Seit der Finanzkrise stöhnen die Geldhäuser über die Last der neuen strengen Regeln, doch die Vorgaben haben für die Banken eine durchaus angenehme Nebenwirkung: Sie schrecken neue Wettbewerber ab. Dazu kommt ein zweiter Schutzeffekt, der mit dem ersten eng verwandt ist.

Für die strikte Regulierung gibt es gute Gründe, denn das Bankgeschäft ist ein besonders heikles, im Großen wie im Kleinen. Ein gelungener Hackerangriff auf Facebook gefährdet nun mal nicht gleich das gesamte globale Finanzsystem.

Internetkonzerne zielen aufs Privatkundengeschäft der Banken

Und für den Durchschnittskunden ist es wahrscheinlich eher verkraftbar, wenn er das Foto von der leckeren Pizza beim Italiener um die Ecke nicht auf Instagram hochladen kann, als wenn der Gehaltscheck nicht auf seinem Konto landet. Bei der Grundversorgung mit Finanzdienstleistungen darf es schlicht keine Pannen geben, und das erfordert nicht nur Know-how, sondern auch eine komplexe und teure Infrastruktur.

Dazu kommt, dass sich die Attacken der großen Internetkonzerne nicht gegen die gesamte Bandbreite des Bankgeschäfts richten. Es ist kaum zu erwarten, dass Facebook demnächst in die Beratung von Fusionen und Übernahmen einsteigt, Amazon Unternehmen an die Börse bringt oder Google komplexe Absicherungsgeschäfte für Zinsänderungsrisiken anbietet. Der Angriff aus dem Netz richtet sich vor allem auf das Geschäft mit Privat- und kleineren Firmenkunden. Das Investmentbanking und das Großkundengeschäft dürften erst einmal in der Hand der Banken bleiben.

Aber für die Geldhäuser steht trotzdem genug auf dem Spiel. Denn die Internetkonzerne haben sich über die Jahre einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erarbeitet: Keiner kann die Wünsche der Kunden besser analysieren und sie schneller mit passgenauen und vor allem bequemen Lösungen erfüllen.

Deshalb treibt die Banken die Angst um, dass Apple, Google und Co. ihnen eines ihrer wichtigsten Güter wegnehmen: den direkten Kontakt zum Kunden. Ginge der verloren, würden die Banken in die Rolle von Versorgern zurückgedrängt, ihr Job wäre es dann nur noch, im Hintergrund für den reibungslosen Fluss der Geldgeschäfte zu sorgen.

Banken versuchen sich an Plattformökonomie

Um das zu verhindern, proben viele Geldhäuser selbst den Einstieg in die Plattformökonomie und versuchen sich am Aufbau eigener digitaler Ökosysteme rund ums Thema Geld.

Die Deutsche Bank bietet auf ihrer hauseigenen Zinsplattform beispielsweise schon Angebote von Dritten, und unter dem etwas merkwürdigen Kunstnamen Yunar bringen die Frankfurter gerade ein neues Unternehmen an den Start, mit dem vor allem jüngere Menschen ihre diversen Rabatt- und Kundenkarten verwalten sollen, von Miles & More bis Payback.

Die Sache hat nur einen Haken: Längst nicht alle größeren Banken werden es schaffen, erfolgreich zu Finanzplattformen zu mutieren. Denn auf dem Markt ist nur Platz für wenige umfassende Angebote. Im Umkehrschluss heißt das, dass einige Geldhäuser die Digitalisierung nicht als eigenständiges Unternehmen überstehen werden.

Viele andere werden sich mit der Rolle als Produkt- oder Infrastrukturlieferanten begnügen müssen und den Gewinnern den lukrativen Rest überlassen müssen, genau so, wie es Abba einst gesungen haben.