Dax aktuell

Dax schließt 1,6 Prozent im Minus – Bayer-Aktie verliert fast zehn Prozent

Der deutsche Leitindex gibt nach und schließt nur knapp über der Marke von 11.600 Punkten. Aber es gibt Argumente, die wieder für steigende Kurse sprechen.

Lächelnde Händler, skeptische Analysten.

Quelle: dpa

FrankfurtDer Dax hat am Mittwoch seinen Angriff auf die Marke von 11.800 Punkten abbrechen müssen. Der deutsche Leitindex verlor 1,6 Prozent und schloss bei 11.604 Punkten. Unter Druck stand vor allem die Bayer-Aktie, die nach einem Urteil im Glyphosat-Streit in den USA zeitweise bis zu zwölf Prozent schwächer notierte.

Am Dienstag hatte der Dax knapp unter der Marke von 11.800 Zählern geschlossen und war mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 11.788 Punkten aus dem Handel gegangen – dem höchsten Schlusskurs seit fast sechs Monaten. Zwischenzeitlich hatte der Dax sogar bei 11.823 Zählern notiert.

Nach dem kräftigen Kursanstieg von mehr als 1500 Punkten seit Ende Dezember sind allerdings viele Fondmanager skeptisch wie lange nicht mehr. „An den Börsen könnten die besten Monate dieses Jahres schon hinter uns liegen“, meint beispielsweise Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Wie Kreuzkamp denken offensichtlich viele Investoren. Das zeigt die wichtigste monatliche Umfrage unter Großanlegern von der US-Bank BofA Merrill Lynch. Für diese werden 239 Fondsmanagern befragt, die zusammen 664 Milliarden Dollar Anlegergeld verwalten. Von diesem Geld stecken sie aber so wenig in Aktien wie seit zweieinhalb Jahren nicht.

Genau diese Skepsis könnten eine Rally allerdings beflügeln. Sollten die Kurse weiter steigen, müssen die Anlageprofis irgendwann kaufen, um nicht Rendite zu verpassen. Das würde eine Rally weiter anheizen. Auch wenn die Kurse fallen sollten: Es ist noch genügend Geld zum Investieren vorhanden, dadurch ist ein größerer Ausverkauf unwahrscheinlich.  

Ein ähnliches Verhalten zeigen die Privatanleger – ablesbar am Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt und zeigt aktuell an: Die Privaten spekulieren massiv auf fallende Kurse.

Auch hier ist die Schlussfolgerung: Sollten die Kurse steigen, müssen die risikoreichen Hebelprodukte verkauft werden, damit die Verluste nicht ausufern. Sollten die Notierungen fallen, streichen die Privaten Gewinne ein und verhindern mit dem Verkauf fallende Kurse. Denn sogenannte Put-Hebelprodukte funktionieren wie ein Leerverkauf, nur dass die Bank im Hintergrund alles abwickelt. Und beim Leerverkauf wird zunächst die Aktie oder der Index verkauft, beim Auflösen des Leerverkaufs wird dann wieder der Wert zurückgekauft.  

Eine Richtungsentscheidung könnte am Abend fallen, wenn die Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt gibt. Börsianer hoffen darauf, dass US-Notenbankchef Jerome Powell eine längere Zinserhöhungspause signalisiert.

Die weiteren Indizes

Der breiter gefasste MDax verlor 1,2 Prozent, der TecDax schlug sich unwesentlich besser und ging mit einem Verlust von einem Prozent aus dem Handel. Auch der Euro-Stoxx 50 war auf dem Rückzug und schloss 0,9 Prozent im Minus.

Blick auf die Einzelwerte

Bayer: Die Aktie war der Verlierer des Tages und schloss mit einem Minus von rund 9,6 Prozent ganz unten in der Dax-Liste. Zwischenzeitlich hatte das Minus sogar bis zu zwölf Prozent betragen, nachdem die Jury in den USA im Glyphosat-Prozess gegen Bayer und Monsanto ihr erstes Urteil gefällt hatte. Aus Jury-Sicht soll der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup von Monsanto erheblich zu der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman beigetragen haben.

Einige Experten glauben sogar, dass das aktuelle Urteil Bayer näher an einen milliardenschweren Vergleich mit den Klägern bringt. Gegen Bayer und Monsanto sind mehr als 11.000 Klagen wegen möglicher Krebswirkung von Glyphosat anhängig.

Munich Re: Der weltgrößte Rückversicherer will die Gewinnwende beschleunigen. Die Aktionäre sollen deutlich von dem Aufwärtstrend der Münchener profitieren. Nicht nur die Dividende steigt um 65 Cent auf die Rekordhöhe von 9,25 Euro pro Aktie, auch ein weiterer Aktienrückkauf im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro startet ab Mai dieses Jahres. Allerdings profitierten die Aktionäre am Mittwoch von der Ankündigung nicht. Die Aktie fiel um 2,8 Prozent.

BMW: Der Autobauer BMW rechnet in diesem Jahr erneut mit einem Gewinneinbruch und verschärft seinen Sparkurs. Der Vorsteuergewinn werde durch zahlreiche Belastungen und hohe Investitionen in die Elektromobilität deutlich unter den 9,8 Milliarden Euro des Vorjahres liegen. An der Börse kamen diese Aussichten nicht gut an: Die Aktien schlossen 4,9 Prozent im Minus – der größte Kursrutsch seit einem halben Jahr.

Fuchs Petrolub: Ein trüber Ausblick schickte die Titel des Schmierstoff-Herstellers auf Talfahrt. Die Aktien fielen um 3,1 Prozent auf 35,60 Euro. Das Unternehmen stellte für 2019 ein langsameres Wachstum in Aussicht. Außerdem werde der operative Gewinn wegen steigender Personalkosten und höherer Investitionen wohl um fünf bis acht Prozent fallen, sagten die Analysten der Bank Credit Suisse voraus.

Ubisoft: Anleger stiegen bei der Aktie ein, weil sie auf neue Einnahmequellen des Machers von Videospielen wie der „Assassins Creed“-Reihe setzen. Die Ubisoft-Aktien legten in Paris um 2,6 Prozent auf 78,22 Euro zu. Investoren stützten ihren Optimismus auf den geplanten Videospiele-Streamingdienst von Google, erläuterten die Analysten des Brokerhauses Midcap Partners.

Was die Charttechnik sagt

Mit den Kursgewinnen erreichte der Dax aus charttechnischen Gesichtspunkten ein spannendes Terrain. Denn der Index hat sich in den Bereich der 200-Tagelinie vorgearbeitet. Dieser Durchschnitt wird klassischer Weise zur Beurteilung des längerfristigen Trends herangezogen. Vorsichtige Investoren warten aber meist ab, wenn diese Linie ein Richtungswechsel von fallend auf auswärts vollzieht. Doch das dürfte noch länger dauern.

Sollte es dem Dax gelingen, die 200-Tagelinie nachhaltig zu überwinden, würden sich die nächsten Kursziele bei 11.862 und 11.936 Punkten finden. Eintrübung der Lage aus jetziger Sicht frühestens unter 11.458 Zählern.

Analystencheck: JP Morgan hebt Kursziel für Heidelberg Cement an

Die US-Bank JP Morgan hat das Kursziel für Heidelberg Cement von 73 auf 76 Euro angehoben und die Einstufung auf „Overweight“ belassen. Der Sektor der europäischen Baustoffwerte dürfte sich weiterhin überdurchschnittlich entwickeln, schrieb Analystin Elodie Rall in einer am Mittwoch vorliegenden Branchenstudie. Dabei seien die großen Werte Lafarge Holcim, CRH und Heidelberg Cement am aussichtsreichsten.

Von den 23 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zur Aktie von Heidelberg Cement empfehlen 18 den Titel zum Kauf. Fünfmal lautet der Rat „Halten“, keine Studie hält das Papier für verkaufenswert. Das durchschnittliche gewichtete Kursziel aller Studien, bei dem jüngere Einschätzungen höher gewichtet werden, liegt bei 76,14 Euro. Die Aktie wird derzeit bei 65,86 Euro gehandelt.

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